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Blog · Werkstattbericht · 27. Oktober 2026 · Christian

Fillosophy: Was die Füllung im 3D-Druck wirklich bringt

Die Füllung sitzt im Inneren, sieht nie jemand und entscheidet trotzdem über Druckzeit, Filamentverbrauch und Festigkeit. Was die Prozentzahl wirklich bringt und welche der 18 Muster auf meiner Mustertafel im Alltag taugen.

Ausschnitt der Fillosophy-Platte mit Füllmustern wie Concentric, Honeycomb und Gyroid in Grün auf Schwarz.
Meine Fillosophy-Platte: ein Sechseck mit 18 Füllmustern in Grün auf Schwarz, jedes Feld beschriftet.
Die Fillosophy-Platte. 18 Füllmuster, ein Sechseck, null Ausreden. Modell von ellinger auf MakerWorld, nicht von mir.

Es gibt Dinge in meinem Leben, die ich nach dem Drucken nie wieder sehe. Die Füllung ist eines davon. Sie sitzt im Inneren des Bauteils, tut den ganzen Tag ihren Job und bekommt dafür keinen einzigen Blick. Trotzdem entscheidet sie mit, wie lange ein Druck dauert, wie viel Filament draufgeht und ob das Teil beim ersten Belasten hält oder nicht.

Auf dem Foto siehst du die Mustertafel „Fillosophy“, die ich gedruckt habe. Das Modell ist nicht von mir: Ich habe es auf MakerWorld heruntergeladen. Es heißt „Fillosophy – Infill Showcase“ und stammt von ellinger (zum Modell auf MakerWorld). Danke für die schöne Vorlage. Jedes Feld zeigt ein Füllmuster, wie es der Slicer in ein Bauteil rechnet. Hübsch, oder? Praktisch ist aber nur ein kleiner Teil davon. Gehen wir es durch.

Was die Prozentzahl wirklich bedeutet

Die Zahl sagt, wie viel vom Innenraum mit Kunststoff gefüllt wird. 0 % heißt hohl, 100 % heißt massiv. Dazwischen liegt alles, womit wir uns tagtäglich streiten.

Der wichtigste Satz vorweg: Doppelte Füllung heißt nicht doppelte Festigkeit. Die Wände (im Slicer „Perimeter") tragen den Großteil der Last, vor allem bei Biegung. Die Füllung stützt die Wände von innen und trägt die Deckschichten. Wer ein Teil stabiler haben will, dreht deshalb zuerst an der Wandanzahl und erst danach an der Füllung.

So nutze ich die Stufen:

  • 0 bis 5 %: Deko, Lampenschirme, Vasen, alles, was nur sich selbst tragen muss. Hier reicht die Füllung gerade so, damit die Deckschichten nicht durchhängen.
  • 10 bis 15 %: Standard für fast alles. Prototypen, Halterungen ohne große Last, Gehäuse.
  • 20 bis 30 %: Teile, die etwas aushalten sollen. Haken, Griffe, Lagerungen.
  • 40 bis 60 %: Selten sinnvoll. Der Druck dauert deutlich länger, der Gewinn ist überschaubar.
  • 100 %: Nur bei sehr kleinen Teilen oder wenn es wirklich nicht anders geht. Mehr Gewicht, mehr Zeit, mehr Verzug. Meistens sind zwei zusätzliche Wände klüger.

Das Problem mit sehr niedrigen Werten

Bei 1 oder 2 % stehen die Füllstrukturen weit auseinander. Die oberen Schichten müssen dann große Lücken überbrücken und hängen gern durch oder sehen wellig aus. Gegenmittel: mehr Deckschichten, saubere Kühlung und ein Muster, das genau dafür gemacht ist. Dazu gleich mehr.

Die Muster im Überblick

Nicht alle 18 Felder auf meiner Platte sind gleich wichtig. Ich sortiere sie grob:

Die Schnellen und Einfachen: Grid, Rectilinear, Line, Aligned Rectilinear. Sie drucken schnell und sind leicht zu berechnen. Grid und Rectilinear haben dafür Kreuzungspunkte, an denen sich Material staut. Aligned Rectilinear legt alle Linien in dieselbe Richtung, das ist als Stütze für Deckflächen praktisch.

Die Allrounder: Gyroid, Cubic, Adaptive Cubic, Triangles, Tri-Hexagon. Sie verteilen Kräfte aus mehreren Richtungen. Gyroid ist mein Standard, weil die wellige Struktur in alle Richtungen ähnlich stabil ist und sich fast leise und gleichmäßig drucken lässt. Adaptive Cubic wird nahe der Wände dichter und im Inneren grober, das spart Material.

Die Soliden: Honeycomb und 3D Honeycomb. Sehr stabil, sehen toll aus, drucken aber langsamer, weil der Druckkopf ständig die Richtung wechselt.

Die Sparsamen: Lightning. Es baut nur dort Füllung, wo wirklich etwas aufliegen muss. Perfekt für Deko, ungeeignet für alles, was belastet wird. Support Cubic gehört eher in die Welt der Stützstrukturen.

Die Schönheitskönigin: Cross Hatch ist ein reines Kunstwerk.

Die Exoten: Concentric, Hilbert Curve, Archimedean Chords und Octagram Spiral. Soweit ich weiß, sind sie hauptsächlich für Deckflächen gedacht. Als Füllung sehen sie großartig aus, im Alltag brauche ich sie nicht. Auf der Tafel sind sie trotzdem meine Lieblinge.

Meine Faustregel

Gyroid, 15 % und drei Wände. Wenn das nicht reicht, erst Wände erhöhen, dann Prozent. Wenn es schnell gehen soll, 5 % und ein Muster, das die Deckschichten trägt. Und wenn ein Teil nur gut aussehen muss, nehme ich den Rest des Tages frei und freue mich über das gesparte Filament.

Die Platte liegt jetzt auf meinem Tisch und schaut mich an. Wenn ich das nächste Mal wieder 80 % einstellen will, erinnert sie mich hoffentlich daran, dass ich es besser weiß.

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